Ein Gender-Krachkurs durch die Geschichte: Frauen in der Literatur
In Deutschland können Frauen bei politischen Wahlen ihre Stimme abgeben. Frauen dürfen theoretisch jeden Beruf erlernen und können selbst entscheiden, wen und ob sie heiraten möchten. Sie dürfen die Klamotten tragen, auf die sie Lust haben und ihre Haare frisieren, wie es ihnen gefällt. Frauen können selbst entscheiden, wann beziehungsweise ob sie Kinder haben möchten und – dank künstlicher Befruchtung – sogar wie der Zeugungsakt von statten gehen soll. Und es gibt noch vieles mehr, was Frauen alles machen könnten.
Aber tun sie das auch? Und seit wann haben Frauen überhaupt all diese Möglichkeiten, über ihr Leben zu entscheiden?
Bücher als historische Fundgrube
Dass wir etwas über die Vergangenheit unserer Vorfahren wissen, ist nur möglich, weil sie uns Zeitzeugnisse überlassen haben. Bevor es Fotografien und elektronische Medien gab, konnten Menschen ihr Wissen entweder mündlich, schriftlich oder über Sachkulturgüter wie Gemälde oder Gebrauchsgegenstände überliefern. Die Literatur ist nur einer von vielen Bereichen der Schriftkultur. Aus Büchern, wie auch aus anderen schriftlichen Quellen, lässt sich herauslesen, woran sich die Menschen in vergangenen Jahrhunderten erbaut haben, wonach sie sich gesehnt haben und wovor sie Angst hatten. In ihnen wird aber auch erzählt, wie unsere Vorfahren tatsächlich gelebt haben und auf welches Weltbild sie ihre Lebensweise stützten.
Vom Mythos der natürlichen Rollenaufteilung
Eines der wichtigsten Organisationsprinzipien für Arbeit und Alltag war die Einteilung in Männer und Frauen. Sie durchzog alle Lebensbereiche, wobei die Frauen den Männern hierarchisch untergeordnet wurden. Auch wenn Frauen und Männer in Deutschland inzwischen per Gesetz gleichgestellt sind, ist das Prinzip der Zweiteilung bis heute einer der wichtigsten Bestandteile unserer Kultur. Es gibt geschlechtsspezifische Toiletten und Kosmetikprodukte sowie unterschiedliche Kleidungsabteilungen. Selbst Kinder wissen, dass Jungs mit Autos und Mädchen mit Barbies spielen. Von klein auf bekommen Frauen und Männer antrainiert, was sich für sein jeweiliges Geschlecht „schickt“, indem häufig nur typisch weibliche oder männliche Fähigkeiten gefördert werden. Und so kann sich der Mythos, dass Männer „von Natur“ aus besser logisch denken können und Frauen „von Natur aus“ emotionaler sind, bis heute in den Köpfen verankern.
Was in der Schule oft fehlt
Über die Geschichte von Männern lernen Schüler/innen allerhand. Schließlich waren es ja auch meistens Männer, die Machtpositionen besetzt haben und Kriege geführt haben. Trotz gesetzlicher Gleichstellung sieht die Realität sieht oft anders aus: Das fängt in den Köpfen an und hört in der Praxis auf. Deshalb wollen wir uns gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen auf eine spannende „Reise durch die Zeit“ begeben. Anhand von literarischen Beispielen möchten wir darüber aufklären, wie Frauen und Mädchen früher gelebt, gefühlt und gedacht haben. Es sollen literarische Werke von – und über Frauen beleuchtet werden, die sonst im Unterrichtskanon keine Beachtung finden. Wir sind der Meinung, dass gerade junge Menschen dafür sensibilisiert werden müssen, dass die rechtliche Gleichstellung von Frauen gegenüber Männern auch in Deutschland noch keine Selbstverständlichkeit ist. Außerdem möchten wir mit den Vorurteilen, dass die Rolle der Frau als passives, dem Mann zugeneigtes und von ihm abhängiges Wesen nicht in ihrer Natur liegt, sondern eine kulturell bedingte Entwicklung ist.