Frauenliebe

LesbenFrauengeschichte hat mich schon immer fasziniert, deshalb habe ich mich dafür entschieden, als erstes das Buch Frauenliebe von Hilde Schmölzer zu beschreiben, das sehr offen und zeitgerecht aufzeigt, wie Lesbenpaare in vergangenen Jahrhunderten gel(i)ebt haben.

Hilde Schmölzers neuestes Buch "Frauenliebe" beinhaltet die Doppelbiographien von sieben Paaren und begleitet sie von ihrer Kindheit und Jugend über ihr Kennenlernen, Lieben und ihr gemeinsames Leben bis zum Tod, immer begleitet auch von Auszügen aus Briefwechseln, sofern diese vorhanden waren. Schon allein der letzte Punkt ist eine Geschichte für sich. Nur einigen, eher in jüngerer Vergangenheit war es vergönnt, relativ offen zusammenzuleben. Viele mussten heiraten, sich dem Willen ihrer - oftmals eifersüchtigen - Männer in jeglicher Hinsicht beugen oder es sollte zumindest gesellschaftlich "das Gesicht gewahrt" bleiben. Deshalb wurden Briefe vernichtet, entweder weil ihre Ehemänner das befahlen oder weil die Betroffenen berechtigte Angst hatten, ihre Liebe zu einer Frau würde ans Tageslicht kommen. Erst in den letzten zwei Biographien kommen Männer nur als Randfiguren in Freundschaft oder Verwandtschaft vor.

Hilde Schmölzer beschreibt bereits im Vorwort und auch vor jeder Paarbeschreibung, wie sich die jeweilige Zeit für Frauen im allgemeinen und Lesben im speziellen auf ihr Leben und Handeln ausgewirkt hat. Das Wort Lesbe war in dem Sinne damals noch nicht geläufig; es wurde hinter vorgehaltener Hand von Sapphistinnen und Tribaden gesprochen, gesetzlich wurden sie als Sodomiten verfolgt und schwer bestraft, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als allen Frauen im 19. Jahrhundert grundsätzlich die sexuelle Lust abgesprochen wurde.

Es geht in dem Buch um folgende Frauenpaare, zeitlich geordnet vom 18. - 20. Jahrhundert:

Bettine Brentano und Karoline von Günderrode

George Sand und Marie Dorval

Charlotte Brontè und Ellen Nussey

Auguste Fickert und Ida Baumann

Virginia Woolf und Vita Sackville-West

Gertrude Stein und Alice B. Toklas

Anna Freud und Dorothy Burlingham

Die einzelnen Doppelbiographien lesen sich sehr interessant und es fällt schwer, das Buch auf die Seite zu legen. Dennoch hatte ich mit jedem Kapitel so meine Schwierigkeiten. Das lag aber nicht an der Autorin, ihrem Schreibstil oder ihren ausführlichen Recherchen, sondern das hatte definitiv mit dem jeweiligen schonunglos offen gelegten lesbischfrauenfeindlichem Zeitraum und dem Bild, das ich von unserem heutigen Lesbischsein habe zu tun, auch wenn ich mir drüber im klaren bin, dass dieser feindliche Rahmen nach wie vor noch besteht, wenn auch sehr verändert, teilweise subtiler. Wir können aber immer noch nicht ohne achtsam zu sein Hand in Hand durch die Strassen laufen und müssen uns gut überlegen, ob wir uns z.B. im Beruf outen sollten. Feindlichkeiten und Diskriminierungen nehmen wieder zu.

Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte hat immer mit unserem inneren Selbst und mit unserem Hier und Jetzt zu tun, auch wenn es mitunter schwer fallen mag und - gerade - deshalb kann ich dieses Buch nur empfehlen.

 

 

 

 

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